digitale Abhängigkeit
Handy verloren / kaputt: Wie komme ich nun ins Online-Banking?
Ich hatte ein Problem: Ich musste meine Banking-App neu installieren und kam dann nicht mehr ins Online-Banking hinein. Dummerweise muss ich z. B. meine Miete pünktlich überweisen und Filialen gibt es kaum noch. Hier merkt man dann ganz schnell, was digitale Abhängigkeit in der Praxis bedeuten kann.

Wie der Ochs vorm Tore, so stand ich da: So einfach erhielt ich keinen (neuen) Zugang zur Banking-App. Später – über Hürden – ging es dann dennoch.
Das Smartphone ist schnell verloren oder gestohlen. Meines war auch plötzlich weg – naja also nicht physisch, eher softwaretechnisch: Ich hatte es komplett zurück gesetzt. Dadurch lief es wieder rund wie am ersten Tag. Meine gesamten Einstellungen bzw. alle vorher durch mich installierten Apps waren dann natürlich nicht mehr vorhanden.
Das war ein Fehler: Zumindest an die Banking-App hätte ich denken müssen! Bei meiner Bank (Norisbank) gibt es nämlich keine TAN-Liste mehr, welche man im Aktenordner aufbewahrt und die die Ziffern zum Freischalten sensibler Aktionen bereit hält. Auch das Freischalten via PhotoTAN-Lesegerät wurde bei der Noris Bank offenbar abgeschafft.
Kein Problem, dachte ich mir: Ich installiere die App neu und logge mich irgendwie ein. Die Online-Banking-Zugangsdaten zur Norisbank habe ich ja natürlich. Ab hier wurde es dann komplizierter. Denn meine Bank setzt nun auf das s. g. BestSign als zusätzliche Login-Sicherheit:
Das BestSign-Verfahren
Hierbei muss man pro Gerät (Smartphone oder Tablet) eine eindeutige Kennung und noch ein zusätzliches Passwort anlegen. Und dann muss »BestSign« auf dem jeweiligen Gerät innerhalb der App registriert- bzw. integriert werden – so habe ich es zumindest verstanden.
Schön einfach wäre dies gewesen mit dem anderen Smartphone. Aber ich saß ja gerade an der Einrichtung der einzigen Banking-App: Ich hatte keine zweite parallel auf einem anderen Handy installiert, mittels der ich die Einrichtung der anderen freischalten hätte können. Ich besitze auch nicht so ein physisches BestSign-Gerät.
Langsam begann mir der Kopf zu rauchen.
Bei der Norisbank gib es aber innerhalb der App noch zwei weitere Optionen zum Aktivieren:
- via Brief bzw. Freischaltcode
- via Einlesen der Girocard / Debitkarte
Das Einlesen erfolgt am Smartphone mittels der NFC-Funktion. Besagte Karte ist genau die Karte, mit der man auch Geld abheben kann – früher „EC-Karte“ genannt.
Freischalten via NFC und Girocard
Auf einem Brief wollte ich nicht warten. Dies dauert ja mehrere Tage. Ich hatte eine dringende Überweisung zu erledigen. Also aktivierte ich die NFC-Funktion auf meinem Smartphone. Ich hangelte mich in der Banking-App durch die jeweiligen Menüpunkte zum Freischalten von BestSign mittels einem kurzen Datenaustausch zwischen meinem Smartphone und meiner Debitkarte (Girocard bzw. EC-Karte) der Norisbank und hielt die Checkkarte hinten dicht an das Handy.
Aber nichts passierte.
Donnerwetter! Funktioniert mein Smartphone nicht korrekt? Ich wusste es nicht. Es tat sich nichts. Mittlerweile weiß ich auch, warum die Verbindung hier nicht zustande gekommen ist. Dazu etwas weiter unten mehr – Da wird es noch einmal spannend.
Wer ein altes Smartphone ohne NFC-Funktionalität besitzt oder ein einfacheres Tablet ohne diesen Standard, wird das Aktivieren des BestSign-Verfahrens mit diesen Geräten auf diesem Weg ohnehin nicht durchführen können.
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Also blieb mir nur der Brief zum Aktivieren übrig:
Freischalten via Brief bzw. Code
Diesen Brief mit dem Freischalt-Code konnte ich direkt innerhalb der Norisbank-App anfordern. Nun musste ich mich einige Tage gedulden, bis er da war. Jetzt erinnerte ich mich: Bei der damaligen Erstinstallation der App ging es auch über einen solchen Brief. Auch bei anderen Banken bzw. bei deren Apps gibt es (teils unter „weitere Optionen“ regelrecht versteckt) die Option für einen Brief. Bei der »Ing« (wo ich auch ein Konto habe) ist dies jedenfalls so.
In der Zwischenzeit probierte ich noch etwas herum, ob ich nicht vorher schon irgendwie den Zugang erlangen konnte. Vielleicht hatte ich ja etwas übersehen. Ich setzte die App sogar zurück bzw. installierte sie neu.
Aber auch das war (m)ein Fehler!
Denn wie sich herausstellte, verlor ich dadurch den zuvor angelegten „Antrag“ innerhalb der App zum Freischalten. Der Brief (der drei Tage später kam) bzw. der darin enthaltende Code konnte nicht mehr eingelöst werden. Denn die (neu installierte) App wusste nun ja nichts mehr von einem solchen. Die Option „BestSign verwalten“ war nicht mehr vorhanden, das „Ticket“ hierfür erloschen.
Ich kam einfach nicht mehr in meine Kontoverwaltung. Was tat ich nun? Ich informierte mich noch einmal genauer bezüglich dieser NFC-Geschichte bzw. bezüglich dem sofortigen Freischalten von BestSign via Smartphone + und Girocard:
Ein wichtiges Detail nicht gewusst
Mir fehlte hier nämlich eine wichtige Information bezüglich der Debitkarte der Norisbank:
Dies war bei mir aber nicht der Fall, da mein Konto bei der Norisbank ein reines Miet- und Nebenkostenkonto ist: Ich nutze es weder zum Einkaufen noch zum Geldabheben.
Darauf muss man erst einmal kommen.
Leider wurde mir dieser Hinweis nicht innerhalb der Banking-App bzw. innerhalb der Freischalt-Prozedur von BestSign gegeben. Ich las ihn erst später irgendwo auf der Internetseite der Bank.
Also suchte ich mir einen der mittlerweile raren Geldautomaten in der Stadt, hob etwas Geld mit der Karte ab (aktivierte sie also) und versuchte daheim erneut eine Kommunikation zwischen Handy und Geldkarte – es vibrierte kurz und:
Jetzt klappte es – Ich war „drin“ x.
x Die Älteren erinnern sich an den Werbespot mit Boris Becker aus den 1990er Jahren.
Den Brief, der ja später kam, konnte ich gleich entsorgen. Er war nicht mehr nötig bzw. nicht mehr brauchbar. Mein Fehler. Aber was, wenn mein Konto nicht gedeckt gewesen wäre? Vermutlich (hoffentlich) wird die Karte bereits während des Einlesens im Geldautomat aktiviert. Ich nutzte einen der Postbank bzw. einen von meiner Bank als „offiziell“ angegebenen.
Was ich jetzt immer beachte
Viele Menschen nutzen nun seit vielen Jahren bereits Smartphones. Es gibt bei vielen also auch Altgeräte, die nun ungenutzt in der Schublade liegen. Auf einem solchen Zweitgerät würde ich unbedingt auch die App installieren, falls vom Betriebssystem noch unterstützt (eine Sim-Karte ist nicht nötig). Falls das alte Smartphone die besagte NFC-Funktion nicht bietet, kann man diese „BestSign“-Sache dann über das primäre Gerät freischalten bzw. aktivieren (Es müsste dann eine Eingabeaufforderung darauf erscheinen) – oder eben über den Brief.
Ich selber nutze noch ein Tablet. Nachdem ich auf dem Smartphone endlich dieses BestSign-Aktivierungsverfahren erfolgreich absolvierte, installierte ich mir die selbe App auch auf dem Tablet bzw. ließ sie über mein Handy freischalten – Dieses Mal ohne Rennerei.
BestSign-Login vom selben Gerät anfordern
Noch eine Hürde: Bei mir war es dann plötzlich so, dass ich beim Login in meine Banking-App auf dem Smartphone plötzlich dazu aufgefordert wurde, diesen Login mit einem anderen Gerät freizugeben (mit dem Tablet). Herrschaften: Ich möchte mich doch aber mit diesem und nicht mit dem anderen Gerät in meine Bank einwählen. Ich möchte doch nicht gleich zwei Geräte dazu verwenden.
Die Lösung: Man muss unten auf Weitere Optionen gehen und dann dort auf Anderes Verfahren wählen und hat hier nun eine Liste aller bereits registrierten Geräte vorliegen (ggf. obsolete bzw. „verbrannte“ sollte man später löschen). Hier wählt man dann das Smartphone aus, welches man genau jetzt in den Händen hält. Nun kann man genau hier das „BestSign-Passwort“ eingeben – und ist endlich drin.
Dies liegt nämlich daran, dass man in den Einstellungen der App (oder auf der Norisbank-Seite) ein Favoritengerät aus den bisher registrierten auswählen kann (oder muss?). Mit genau diesem Gerät soll dann alles freigeschaltet werden. Ist dieses Gerät aber defekt bzw. nicht mehr vorhanden, kann man auf einem anderen (ebenfalls bereits registrierten) ein anderes (also genau dieses), wie eben erläutert, auswählen.
Digitale Abhängigkeit
Meine kleine Geschichte zeigt – so denke ich – ganz gut auf, in was für Abhängigkeiten von digitalen Geräten man sich mittlerweile begeben hat. Bankfilialen gibt es kaum noch, Geldautomaten werden auch immer weniger. Ich konnte zwar den App-Zwang beim Deutschlandticket austricksen. Aber sicher ist dies auch nicht.
Doch gerade beim Thema Bank wäre eine zweite, parallele Login-Lösung wichtig. So ein Smartphone ist schnell verloren, ein solches Gerät gleitet ganz schnell aus den Fingern und ist defekt. In diesem Beitrag berichtet eine Bloggerin übrigens von ganz ähnlichen Problemen mit der Bank-Software.
Ich halte jetzt immer ein zweites Smartphone mit der selben (aktivierten) Bank-App für den Notfall bereit. Das selbe tue ich übrigens auch bei diesen 2-Faktor-Passwörtern, bei denen man ja auch auf eine App angewiesen ist. Und wenn diese verloren geht (also das Smartphone), kann man sich – trotz regulärer Zugangsdaten – bei vielen Diensten nicht mehr einloggen.
Ich mache meiner Bank hier aber keine Vorwürfe. Ich hätte während des Wartens auf den Brief die App nicht neu installieren dürfen. Aber der Hinweis auf das Freischalten der EC-Karte hätte direkt in der App stehen müssen. Ich werde doch wohl nicht der Einzige sein, der diese Debitkarte nie nutzte?
Und: Natürlich gehe ich d’accord mit der Bank, dass es hier eine Zwei-Faktor-Authentifizierung geben muss (in diesem Fall »BestSign«). Hätte ich keine zwei Smartphones (bzw. das Tablet), würde ich mir für ca. 30 € auch so ein physisches BestSign-Gerät kaufen, um im Fall, dass ich mein Smartphone verloren habe, ohne Verzögerung weiterhin Zugang zu meinem Konto zu haben.

Ohne witz, ging mir letztens genauso mit meinem Konto bei der Norisbank. Hatte mir im Juni ein neues Handy gekauft. PhotoTAN gibts nicht mehr musste ich bei Neuinstallation feststellen. Hatte dann alles auf dem Neuen installiert und es lief. Dann durch Softwarefehler bei nem Update musste ich das neue Handy zurücksetzen. Gleiches Problem wie bei dir. Ich wusste vorher auch nicht, dass ich mit meinem alten Handy quasi VOR dem Zurücksetzen das Verfahren hätte aktivieren können. Somit gingen beide Geräte plötzlich nicht. Hab dann da angerufen und außer ne neue Aktivierung per Brief war nix möglich. Umso überraschter bin ich über die Info mit dem NFC Chip. Hatte mir am Telefon niemand vorgeschlagen. Gott sei Dank hab ich deinen Artikel hier grad gelesen, denn das neue Handy ist wohl tatsächlich kaputt und muss eingeschickt werden. Hab soeben das Alte über das Neue freigeschaltet und kann mir den Aktivierungscode-Mist sparen. Aber ich weiß was du meinst. Ohne altes Handy wär man aufgeschmissen. Vor allem wenn man dringende Überweisungen machen muss. Denn Telefonbanking hat man zb auch nicht freigeschaltet und muss auf den Code warten.
Freut mich, dass mein Beitrag schon etwas weiter helfen konnte. Danke auch für den eigenen Input!